Gedankenkarussel, Vertrauen und brav sein?!

Brav sein! Das waren die letzten Worte meines Herrn, bevor er fuhr. Doch sie fühlen sich falsch an. Ich sage ihm, dass das sehr weit gefasst ist, sehr schwammig. Er findet das nicht und muss weg, er hat Kundentermine. Natürlich. Weiss ich ja.

Aber mir geht es grad nicht gut. Fühle mich nicht gut und bin unkonzentriert. Ich mache schon Fehler auf der Arbeit, obwohl ich ja noch nicht sooo lange hier bin. Ich weiss, was mir fehlt. Und ich wollte, dass meine gute Laune erhalten bleibt. Doch schon im Badezimmer heute morgen merkte ich, wie das Gedankenkarussel ansprang. Ich versuchte, es zu unterdrücken, dagegen anzukämpfen, es anzuhalten, abzustellen, abzufacken, was auch immer. Ich dachte, ich hätte es geschafft. Wartete und hoffte darauf, ahnte ja schon, was mir fehlt.

Dabei habe ich in den letzten Tagen immer die kleinen Gesten aufgeschrieben, die mich bei Laune gehalten haben. Die mir gezeigt haben, dass der Weg richtig ist und wir auf gutem Weg sind. Die mich gestärkt und bestärkt haben. Und mein Vertrauen haben wachsen lassen. Vertrauen in die Situation, in die besondere Art der Beziehung, darin, dass auch er es gut findet. Und nun?

Bin ich innerlich wieder alles am zerfleddern. Nein, es ist nicht so, dass ich hinterfrage, ich kann nur das Erlebte nicht vorholen und betrachten. Es gelingt mir einfach nicht, es nochmal im Geiste zu erleben und mich daran zu stärken. Es geht nicht. Das ärgert mich. Ich bin zu doof dazu. Es klappt einfach nicht.

Im Auto dann habe ich mit mir gerungen. Weiter noch überlegt, ob ich es allein schaffen kann, damit fertig zu werden. Und entschloss mich auf halben Wege zur Arbeit, dass ich es ihm sagen sollte. Ich formulierte es wage und hoffte, er würde mich verstehen. Hat er auch. Ich sagte ihm, dass mein Gedankenkarussel wieder angesprungen ist und dass ich nicht weiss, was ich tun soll. Und das mir was fehlen würde. Er meinte dazu, er wüsste, was fehlt und dass er was vorhätte, wenn wir in der Arbeit sind. Obwohl ich ahnte, was er meinen könnte, erwiderte ich, er spräche in Rätseln und er sagte, dass das gut so sei. Also versuchte ich, Vertrauen zu haben und seinen Worten Glauben zu schenken (ich weiss, dass er nicht gelogen hat) und meine Laune wurde tatsächlich wieder ein klein wenig besser. In der Firma angekommen kümmerte ich mich um etwas Organisatorisches, was das Büro betraf. Ich fand selbst, dass ich es gut gemacht hatte und er lobte mich auch dafür, bevor er ging. Aber es war nicht das Lob, was ich brauchte, es war nicht die Aufmerksamkeit, die ich brauchte. Es stillte nicht das Bedürfnis.

Es passierte – nichts!

Und als er sich entgültig an der Tür verabschiedete, war klar, dass auch nichts mehr kommen würde. Und ihm war wohl klar, dass ich drauf gehofft hatte, denn er sagte, dass er eigentlich ja noch was vorgehabt hätte, aber ihm würden die Termine wegrennen. Verstehe ich – vom Kopf her. In meinem Inneren entsteht so noch mehr Chaos. Ich bin unausgeglichen, unkonzentriert und steche mir beim Auspacken einiger Dinge mit dem Cuttermesser in den Finger. Mist! Das Blut versiegt schnell, ich wasche mir gründlich die Hände und packe dann was aus, was total verschmiert (ölig?) ist und ich bekomme schwarze Finger. Ich könnte ausflippen. Ich laufe ins Bad und wasche meine Hände sehr gründlich. Ich packe weiter aus mit spitzen Fingern und wasche mir wieder die Hände. Lange. Und habe immernoch das Gefühl, sie sind schmutzig. Ich möchte sie nochmal waschen und nochmal und nochmal. Nein, ich habe keinen Waschzwang, aber ich mag es nicht, wenn an mir Substanzen sind, die ich nicht erkennen kann und von denen ich nicht weiss, was sie bewirken können (gesundheitlich, Flecken etc.) Mich macht das sehr nervös. Ich rieche an den Fingern, ich begutachte sie. Nichts zu riechen, nichts (mehr) zu sehen. Und dennoch möchte ich sie gleich nochmal waschen.

Ich glaub, das mache ich jetzt und gehe ich aufs Klo. Meine Blase drückt schon wieder, als hätte ich 3 Liter auf einmal getrunken. Kann nicht sein, ist aber so.

Misttag!

28 Kommentare

  1. Ich denke, „brav sein“ ist als ansage okay. Wahrscheinlich mochtest du es nur nicht, weil du dir eben mehr erhofft hattest.
    Was auch ein Problem sein könnte, ist, dass du dich insgesamt nicht ausgefüllt füllst. Was macht dich noch glücklich, definiert dich, abgesehen von deiner Beziehung?

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    1. „Brav sein“ ist für mich eine Worthülse, die gefüllt werden muss. Wenn ich einem Kind sage, es soll brav sein, dann wird es nicht hinterfragen, was es machen darf und was nicht. Aber es hat normalerweise Regeln, an die es sich halten kann. Wenn es gut erzogen ist jedenfalls.
      Ohne Regeln und Richtlinien (jedenfalls kaum welche) ist es natürlich schwierig, brav zu sein, weil das Auslegungssache ist.

      Ja, kann sein, dass mir auch sonst was fehlt. Ich bin fast nur noch Mutter und Arbeitstier. Hobbys wie lesen mach ich nur noch auf dem Klo. PC mach ich morgens kurz und abends vorm Schlafengehen – und mal evtl. in der Firma, was eigentlich nicht unbedingt Sinn der Sache ist.

      Ich würd gern mehr erleben, mehr Ausflüge machen, Sport machen, öfter ausgehen… das passt entweder nicht von der Zeit oder wegen des Geldes… verreisen…

      Ansonsten ist meine Wunschdefinition, dass ich das Leben führen möchte mit ihm als meinen Herrn und alles wunderbar funktioniert und ich die Bedürfnisse meiner Fetische, die mir auch wichtig sind, ausleben kann.

      Ich würd gern auch mehr schreiben, aber vorm Bücherschreiben hab ich Angst. Bleiben Kurzgeschichten und selbst dazu fehlt mir momentan die Zeit… grmpf…

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        1. Es geht eher um das, was nur teilweise als richtig oder falsch geregelt ist. Zum Beispiel die Regel mit der Schokolade. Ich darf keine Schokolade essen. Eigentlich. Aber abends essen wir alle zusammen als Nachtisch immer was mit Schokolade, da darf ich und ist ja auch ok. Aaaaber… ich sage ihm, wenn ich Trinkakao trinke, wenn ich Mandelhörnchen esse etc. und er sagt, dass das ja eigentlich nicht ok ist. Aber… er sagt auch nicht, dass ich das nicht darf. Also wenn ich es dann trotzdem tue – ist es dann brav oder nicht? Sowas halt…

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            1. Mir klare Regeln aufzustellen, an denen ich mich orientieren kann, ohne etwas hinterfragen zu müssen und sollten diese nicht eingehalten werden, darauf zumindest reagieren – in welcher Form auch immer…

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            2. Hatten wir alles schon. Jetzt haben wir ja zwei regelähnliche Vorschriften… keine Schokolade (ähm ja) und Sockendienst, wenn er es anweist… und ich bat ihn, die Regeln zu formulieren, damit ich sie schriftlich festhalten kann z. B. im Blog. Bisher kam noch nichts.^^

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