Von DD zu D/s – oder auf der Suche nach dem letzten Knoten?! (ohne Passwort)

Nicht wissend, wie genau ich nun meine Gedanken sortieren möchte, schreibe ich einfach drauf los. In der letzten Zeit ist viel passiert. Zwei Umzüge am Anfang des Jahres (privat und beruflich), vieles hat sich umgestellt und verändert. Ich hasse Veränderungen, aber manchmal müssen diese eben sein und ich finde auch das eigentlich spannend. Ich kann mich nur einfach manchmal so schlecht drauf einstellen. Stellt einer in meiner Wohnung Möbel um, so sollte er sich in Acht vor mir nehmen. Ich habe eine bestimmte Vorstellung von Ordnung. Aber lassen wir das.

Eigentlich möchte ich meine Gedanken sortieren, die sich immer und immer wieder um unsere Beziehungsart drehen. Klar haben wir wenig Zeit zur Zeit. Klar haben wir neben dem Beruf und den Kindern bzw. der Familie auch so noch unendlich viel zu tun. Aber dennoch sind wir doch ein Paar, haben eine Beziehung und noch dazu eine mit dem besonderen Etwas. Wer mir hier schon länger folgt, wird wissen, dass ich sowohl eine sub, als auch eine Windelliebhaberin bin, noch dazu im Inneren ein kleines Mädchen. Eine Kombination, die auf viele vielleicht abschreckend wirkt, anstrengend, kompliziert. Und ja, ich denke, dass ist sie vielleicht auch. Ich bin Chaos pur und ich brauche Ordnung. Im aussen und im Inneren.

Es ist noch nicht lange her, da habe ich euch daran teilhaben lassen, wie wir unseren Neuanfang versucht haben in Richtung BDSM. Unsere ersten Gehversuche, Fotos und Geschichten dazu. Gedanken. Viele Gedanken. Und doch… es ist immernoch der Weg, steinig und hart und voller Knoten. Und wenn mal wieder ein Knoten geplatzt ist, dann denk ich… so, jetzt aber! Und dann… sitzt da immernoch so ein kleiner fieser Knoten, den man scheinbar übersehen hat. Seit ein paar Tagen schiebe ich Gedanken hin und her. Ich habe das Gefühl, da ist noch was. Da muss was gefunden werden, geklärt werden. Wir müssen schliesslich in die selbe Richtung sehen, um auch in die richtige Richtung zu laufen. Mir kam der Gedanke, ob es vielleicht doch daran liegen könnte, dass wir ursprünglich aus dem Bereich des spankings UND dem DD kommen. Zu DD = Domestic Discipline = häusliche Erziehung gab es vor Jahren schon kaum was vernünftiges (deutschsprachiges) zu lesen. Nur ein paar Brocken und Ahnungen. Nur das, was wir so für uns festlegten. Dass es an die gute alte Zeit erinnert. Dass mit spanking auf den Hinterbacken gestraft wird. Dass es mit haushaltsüblichen Gegenständen geschieht und gern OTK (übers Knie gelegt). Die Frau im Haus ordnet sich dem Manne unter. Sie folgt ihm. Soweit so gut. So hatten wir es von Anfang an. Spanking probierten wir aus, Regeln führten wir ein. Es lief eigentlich ganz gut, auch wenn wir am Anfang eine Wochenendbeziehung führten. Was, bei genauerem Überlegen, eigentlich einfacher war, denn dann schloss man mit dem Alltag ab, begab sich in seine Rollen ganz hinein und war einfach „man selbst“ ohne störendes Alltagsleben. Strafen wurden notiert und an diesen Treffen „abgearbeitet“, so dass man dann später dazu übergehen konnte, das spanking zu geniessen und genussvoll Geräte testen konnte. Leidenschaftlich. Ich überredete ihn auch dazu, dass wir uns einen Rohrstock anschafften. Er wollte dies gar nicht. Er hatte eigentlich Respekt vor dem Teil und fürchtete, damit nicht umgehen zu können. Heute kommt der Rohrstock nicht sehr oft zum Einsatz, aber wenn – dann ist es immer wieder faszinierend, was für eine Wirkung er erzielt. Mit gewissem Schwung erreicht der Schmerz sofort meine Grenze, mir wird übel. Zumindest, solange der Hintern noch nicht genügend aufgewärmt ist. Dann ist es nicht mehr ganz so schlimm. Kann man natürlich auch so einsetzen, dass es Spass macht, aber das scheint nicht in seinem Sinn zu sein…

Ich schweife schon wieder ab… Regeln hatten wir und die meisten davon waren von mir gekommen. Der Wunsch danach, kontrolliert zu werden und mich so in den engen Grenzen wohl zu fühlen, war schon immer recht ausgeprägt. Dazu kommt meine zuweilen doch recht aufmüpfige, trotzige Art und mein starker Wille. Ich kann ziemlich stur sein und mein Gegenpart sollte in der Lage sein, diesem gewachsen zu sein. Nicht laut, nicht beleidigt, sondern mit starker ruhiger Hand. Ich möchte geführt werden und dies spüren. Ich möchte aufblicken können zu meinem Herrn, der sich auch als solcher fühlt. Ich denke nun, das geht mehr in die Richtung BDSM sprich D/s. Wir wollen beide 24/7, ein Machtgefälle, dass immer da ist, wenn auch nicht immer sofort sichtbar. Das aber zumindest immer im Hintergrund ist. Er hat das letzte Wort.

DD bedeutet auch genau dies. Der HoH (Head of House/Kopf des Hauses) hat immer das letzte Wort. Die Frau ist die Beraterin. Es geht hauptsächlich um Harmonie und mit Geduld und Konsequenzen die Frau dazu zu bringen, so gut es geht für die Familie und den HoH da zu sein, ohne sich selbst zu schaden (Alkohol, Drogen, zu schnelles Autofahren etc.). Es wird versucht, ein tadelloses Benehmen zu erzielen. Wobei ich mich frage – was ist eigentlich, wenn die Frau dann perfekt erzogen ist?? Was dann?? Dann ist es doch langweilig…oO

Seufz… ich habe das Gefühl, ich komme nicht zum Kern der Sache. Ist es nicht auch in einer BDSM-lastigen D/s-Beziehung wünschenswert, dass Harmonie herrscht?? Schaut nicht auch da der Herr auf die Regeln und lässt Konsequenzen walten??

Ach ja, ganz wichtig fand ich ja beim Lesen den einzigen herausgearbeiteten Punkt, der für mich den Unterschied bedeutet:

DD ist nicht sexuell motiviert!! Die Strafen, die Konsequenzen, der ganze Umgang miteinander sind natürlich und nicht erotisch. Es gibt DD-Beziehungen, wo beide nicht sadomaso sind und es somit keinerlei schmerzhaften Konsequenzen gibt. Es kann ja auch was anderes eingesetzt werden wie etwas zu schreiben, in der Ecke stehen oder geliebte Dinge verbieten (Fernsehen etc.). Auch da gibt es genug Möglichkeiten. Aber WENN mit einem Hinternvoll bestraft wird, so ist dies nicht erotisch. Es ist kein Aufhänger für Fummeleien. Es führt nicht zum Sex!! Es hat den einzigen Grund, die Frau zu erziehen. Nicht mehr und nicht weniger. Vielleicht mag er deshalb auch nicht auf die Nachsorge achten. Denkt man an die frühere körperliche Erziehung und Bestrafung, so wurde der Hintern versohlt und die Strafe war gesühnt. Die Eltern haben doch nicht mit einer Heilsalbe gecremt oder gefragt, obs weh tut oder brennt… Ich selbst habe übrigens in meiner Kindheit nie körperliche Strafen erhalten. Nicht mal Ohrfeigen oder dergleichen. Dennoch hatte ich Respekt, es ging streng zu, die Frau hatte zu tun, was der Mann sagte. Ich habe mir da wohl einiges abgeschaut Und dennoch mochte ich es, in (Kinder-)Büchern zu lesen, dass die Kinder Angst hatten, erwischt zu werden und es dann den Hinternvoll gab (ich versetzte mich gern in deren Lage, ein Kribbeln). Und ebenso spielte ich mit meinen Barbies keine normalen Spiele, sondern Barbie begab sich immer in Gefahr, musste von ihrem grossen Bruder oder von ihrem Prinzen gerettet werden, bekam eine Strafpredigt, die sich gewaschen hatte und wurde dann übers Knie gelegt. *hust*

Herrje, ich schweife schon wieder ab.

Ok. BDSM macht ohne Erotik keinen Sinn. DD kommt ohne Erotik aus und ist nicht sexuell motiviert. Hier geht es allein um die Zufriedenheit zwischen einem Paar, bei dem der Mann das Machtgefälle besitzt, es nutzt und das letzte Wort hat, die Frau liebevoll mit Konsequenzen führt und kontrolliert und alles voller Harmonie ist. Die Frau hingegen ist brav und versucht alles in ihrer Macht stehende, dass sie es so gut es geht umsetzt und arbeitet an sich, so zu werden, wie der Mann es will. Klingt das nicht aber jetzt auch nach einer sub/sklavin? Oder nach einem braven kleinen Mädchen?

Nun, ich denke, der Hauptaspekt ist und bleibt die Erotik. Ich hatte eine wunderbare Seite gefunden, wo eine in einer DD-Beziehung lebende Userin in einem Forum schreibt, wie sie es empfindet. Was es für sie ausmacht, wie sie es leben. Besser hätte ich es nicht schreiben können. Genaugenommen hätte ich fast alles so schreiben können wie sie bis auf den kleinen Unterschied, dass sie mit ihrem HoH auch noch nebenher BDSM auslebt, also nicht im Alltag. Das haben wir ja bisher nicht. Vielleicht können wir das auch irgendwie so hinbekommen. Ich muss nur irgendwie klarkriegen, was hier irgendwie noch nicht rund läuft. Beim DD ist es eigentlich das Ziel, so wenig Strafen wie möglich einsetzen zu müssen. Beim BDSM ist genau das aber das Genussvolle, der Schmerz… Man darf es gut finden, erotisch. Der Mann darf sadistisch sein und seine Frau quälen in dem Rahmen, den sie vorgibt mit ihren No Gos. Alles natürlich solange und so, wie es zwischen beiden im Einvernehmen stattfindet.

Ich möchte jetzt nach all meinen Worten ein paar Auszüge hier aufnehmen, den Rest könnt ihr gern dort lesen:

hier schreibt Frl. Naseweis

… Züchtigungsinstrumente und -art und oft auch die Kleidung sind bewußt an die „gute alte Zeit“ angelehnt. …

… Die Rollen sind klar verteilt, was nicht heißt, dass nicht auch der Mann den Müll herunterträgt, für die Familie kocht oder seiner Frau Arbeit abnehmen kann und wird, wenn es nötig ist. …

…Es gibt bei uns keine Trennung zwischen „Spiel“ und Alltag. Die Strafen oder Belohnungen werden für reale Vergehen oder gutes Benehmen im alltäglichen Leben erteilt und sind nicht sexuell motiviert – es gibt keine „künstlichen“ Szenarien“. …

… Ich ziehe meinem Schatz die Schuhe aus, lege ihm das Essen vor und würde niemals anfangen zu Essen, bevor er nicht angefangen hat, ich bitte um Erlaubnis für viele Dinge und bin ihm Rechenschaft schuldig für alles, was ich tu. Er bestimmt meine Bettzeit und ob ich beispielsweise naschen darf. …

… Dass der Mann die Entscheidungsgewalt hat, bedeutet nicht, dass er auch immer seinen Willen durchsetzt. Ein verantwortungsvoller HoH wird sorgfältig abwägen und unvoreingenommen auch den Willen seiner Familie oder Frau voranstellen, wenn es zum Wohl der Familie oder Beziehung ist. …

…Eine DD-Beziehung zielt auf die Harmonie zwischen den Partnern ab. Ein HoH ist der liebevoll-strenge Partner der seine TiH diszipliniert und mit Konsequenz für die Einhaltung der von beiden gewünschten und einvernehmlich vereinbarten Erziehungsziele in der Lebenspartnerschaft durchsetzt. …

… Was sie allerdings mitbekommen ist, dass ich immer erst meinem Schatz das Essen serviere und ihnen und dann erst anfange zu essen, wenn er angefangen hat, dass ich ihn bediene und dass ich bei bestimmten Blicken nach eventuell nicht ganz angebrachten Äußerungen durchaus rot werde …

… Ein Beispiel: Ich war eine zeitlang sehr unkonzentriert und habe zu viel gleichzeitig gemacht. Ich kam einfach nicht wirklich zur Ruhe und habe ständig etwas vergessen deshalb.
Mein HoH hat mir dann eine Auszeit verpasst, in der ich zur Ruhe und zu mir selbst kommen sollte. Er hat mir eine Schüssel mit einem Kilo Mehl unter das er ein Kilo Reiskörner gemischt hatte, hingestellt und ich hatte nun die Aufgabe diese Reiskörner einzeln aus dem Mehl zu pulen und sie zu zählen. Dabei muss man ganz und gar konzentriert sein und ruhig, sonst wird man nie fertig und eventuell sogar aggressiv.
Bei mir hat es jedenfalls funktioniert und ich habe mich daran erinnert, wie entspannt ich eigentlich war, als ich da mit meinem HoH am Tisch saß, er am PC, ich vor dem Reis, wenn ich mal wieder anfing 10 Dinge gleichzeitig tun zu wollen. …

Und hier nochmal eine Liste aus einem anderen Forum, was DD im wesentlichen ausmacht:

1.
Die Szenarien wirken oft sehr alltäglich. Kleidung,
Züchtigungsinstrumente usw. sind bewusst dem Leben einer imaginären
„guten alten Zeit“ entnommen.

2.
Der Begriff ist auf heterosexuelle Paare begrenzt

3.
Die dominante Rolle wird vom Mann übernommen

4.
Es gibt keine Trennung zwischen Spiel und täglichem Leben, Domestic
Discipline Beziehungen sind 24/7 Beziehungen.

5.
Anders als bei BDSM Spielen wird bei Domestic Discipline keine
künstlichen Szenarien verwendet. Züchtigungen aus Strafe oder anderen
Gründen werden aus realen Anlässen vollzogen.

6.
Stärker als bei Dom/Sub und Top/Bottom Verhältnissen ist die Dominanz
des Mannes nicht willkürlich. Regeln die in gegenseitigem Einvernehmen
festgelegt wurden spielen eine große Rolle.

7.
Relativ oft ist die Aufgabe des Mannes die Frau zu beaufsichtigen und
sie an einem Verhalten zu hindern mit dem sie sich selbst schadet.

8.
Die ausdrückliche Unterordnung der Frau unter den Führungsanspruch des
Mannes wird in aller Regel als Vereinfachung und Erleichterung
angesehen weil viele kleinliche Machtkämpfe wegfallen.

9.
Idealerweise ist die Rolle der Frau bei Entscheidungen, die der
Beraterin, die ihre Meinung zwar sagt, aber dann die Entscheidung
ihres Mannes akzeptiert. In diesem Zusammenhang ist oft von „final
say“ die Rede.

10.
Strafen werden hauptsächlich durch Spanking, also Schläge auf die
Hinterbacken vollzogen. Es gibt jedoch auch demütigende Strafen ohne
Schläge, wie Hausarrest, Computerverbot, schreiben von Strafzeilen und
„in der Ecke stehen“.

11.
Psychologische Strafen rund um Liebesentzug sind verpönt.

12.
Der Mann hat in einer solchen Beziehung nicht nur ein
Züchtigungsrecht, sondern auch eine Züchtigungspflicht.

13.
Der erotische Reiz einer Züchtigung wird selten geleugnet, aber anders
als in rein erotischen Dom/Sub und Top/Bottom Beziehungen wird jedoch
der Aspekt der Disziplinierung betont.

14.
Anders als in BDSM Szenarien, wo gerne die Macht des gnadenlos und
absolut Herrschenden beschworen wird, postuliert Domestic Discipline
eine fürsorgliche liebevolle Strenge des Mannes gegenüber der Frau.

15.
Ein weiterer vager Unterschied mit vielen Zwischentöne ist
wahrscheinlich, dass BDSM eher an den Strafen orientiert ist, Domestic
Discipline dagegen eher an der Harmonie zwischen den Partnern, bzw.
den Erziehugszielen die beide vereinbart haben.

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